Geschichte des Instituts

K. E. Schneweis im Herbst 2010

Mit der Berufung von Karl Eduard Schneweis an das damals von Henning Brandis geleitete Institut für Medizinische Mikrobiologie und Immunologie wurde 1968 in Bonn eine inhaltlich selbständige Abteilung für Virologie gegründet.

Professor Schneweis hatte zuvor in Göttingen an einem der ersten universitären Virologie-Lehrstühle grundlegende Arbeiten zum Thema Zellkulturtechnik und Herpes Simplex Virus (HSV) abgeschlossen. Das gesamte Repertoire der damals technisch enorm aufwendigen Viruskultur und Antikörperserologie, sowie moderne Methoden zur Typisierung von Virusisolaten wurden in Bonn etabliert. Auch ein Elektronenmikroskop wurde früh in Betrieb genommen. Einen wichtigen wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkt stellte die Arbeit an HSV dar, wobei insbesondere die diagnostische und pathogenetische Unterscheidung zwischen HSV Typ 1 und 2 zu einem wesentlichen Teil auf die Verdienste von Professor Schneweis zurückgeht.

Die Arbeit an Herpesviren wurde im Jahr 1992 durch die Berufung von Bertfried Matz als Nachfolger von Karl Eduard Schneweis gestärkt. Insbesondere die Arbeit an Fragen zur herpesviralen DNA-Replikation und deren Untersuchung durch den Vergleich temperatursensitiver Virusmutanten stellte (und stellt) ein bedeutendes Arbeitsfeld dar.

Neben den Arbeiten an HSV stellte die klinische Virologie der HIV-Infektion das zweite Hauptarbeitsfeld der Bonner Virologie dar. Die große Bedeutung des Universitätsklinikums Bonn im Bereich der Hämotherapie von Blutgerinnungserkrankungen erforderte eine Ausrichtung der inhaltlichen Arbeit auf die diagnostische und therapiebegleitende Virologie von HIV-Patienten, denn in den 80er Jahren zeigte sich, daß die Applikation besonders von Gerinnungsfaktorkonzentraten deutschland- und weltweit zu einer hohen Rate von HIV-Infektionen bei Blutern geführt hatte. Die Bonner Virologie war unter den ersten Einrichtungen deutschlandweit, die eine lückenlose HIV-Diagnostik anbieten konnten. Im Zuge der aufkommenden antiviralen Behandlung wurden experimentelle Methoden zur phänotypischen Resistenzbestimmung etabliert und in die klinische Virologie integriert. Mitte der 90er Jahre wurden diese Methoden zunehmend ergänzt durch die genotypische Resistenzbestimmung und die quantitative molekulardiagnostische Viruslastmessung. Molekularbiologische Untersuchungen des Virusgenoms ermöglichten auch grundlegende Arbeiten zur Beschreibung der Evolution von HIV-Viruspopulationen in Einzelpatienten und in Patientenkohorten. Nicht zuletzt wegen der großen Bedeutung und Eigenständigkeit dieser Arbeiten empfahl der Wissenschaftsrat der Universität Bonn, einen eigenständigen Lehrstuhl für Virologie zu schaffen.

Im Zuge der Neuberufung von Prof. Achim Hörauf und der damit verbundenen Zusammenlegung der Institute für Medizinische Mikrobiologie und Parasitologie wurde im Jahr 2007 mit der Berufung von Christian Drosten auf eine W3-Professur für Virologie ein eigenständiges Institut für Virologie am Universitätsklinikum gegründet.